Ketzerprinzessin und Goldmacherschloss

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"Auch magstu mir sycherlich glawben, das ich deyns bryffs meynung der schrifft halb nicht woll vornemen kan, den du hast underweyle bose buchstaben gemacht und auch etliche wort aussen lassen, als du sel­ber shen wirdest." schrieb Zdenka an ihren Sohn Georg. Der war immerhin der Herrscher der Mark Meißen und teilte ihr den Unterhalt zu. Das beeindruckte sie wenig.

Mit zehn Jahren war sie als Friedensgeisel verheiratet worden; ihr Vater, der Hussitenkönig Georg Podiebrad, war nach Meinung der Deutschen ein Ketzer. Hat Zdenka gewusst, dass sie in ein Land von Andersgläubigen kam und was das bedeutete? Vier Jahre und ein halbes hatte sie Zeit, sich zu integrieren - zu assimilieren. Es gab nichts auszusetzen: sie war eine vorbildliche Katholikin, katholischer als der ganze Hof. Wenn später ein Ablasshändler durchs Land zog, erstellte sie einen Kalender mit Terminen und angebotenen Ablässen, zählte die erlassenen Jahre im Fegefeuer  zusammen und vermahnte ihren Sohn, alles mitzunehmen. Sie muss die Geistlichen zur Verzweiflung getrieben haben; sie war nicht angreifbar, wie Eulenspiegel mit seinen gebackenen Meerkatzen. "Wenn dich jemand nötigt eine Meile, so gehe mit ihm zwei." 

Albrecht, ihr Mann, wurde zum Generalstatthalter der Niederlande im Auftrag Habsburgs ernannt. Zdenka hatte wenig Lust, sich als Gattin des Oberbesatzers zu präsentieren; sie zog sich nach Meißen zurück "um Gott zu dienen im löblichen Stift." Ja, was sollte er da noch sagen. Sie lebte  auf einer Baustelle, in wenigen hergerichteten Kammern und Stuben. Von hier aus schrieb sie aufmunternde und kritische Briefe an ihren Sohn Georg, der in Dresden an Stelle seines Vaters regierte. Als er in einem Brief an ein Frauenkloster die geistlichen Damen kurzerhand als "Nunnen"  anredete, leitete sie den Brief nicht weiter, sondern verlangte eine Korrektur.

Als Albrecht starb, siedelte sie auf ihr Witwengut, die Burg Tharandt, über. Ganz in der Nähe, über Grumbach und Fördergersdorf, verlief der fürstliche Weg (Sächsischer Jakobsweg) nach Freiberg. Sie hatte also oft Besuch, vor allem von Bittstellern.

1503 gab Marcus von Weida (1450-1516), ein Dominikaner aus dem Leipziger Paulinerkloster und "Volksschriftsteller", das mystische Werk "Liber specialis gratiae" der Mechthild von Hackeborn bei dem Leipziger Melchior Lotter in Druck. Er berichtet in der Vorrede, dass ihn Zedena in Tharandt empfangen habe und sie dort gemeinsam eine deutsche Übersetzung des Buches studierten, worauf die Herzogin den Wunsch äußerte, dass ein so vortreffliches Buch gedruckt werden möge. (Thomas Döring, Der Leipziger Buchdruck vor der Reformation, in: Bücher, Drucker, Bibliotheken in Mitteldeutschland, herausgegeben von Enno Bünz, S. 95 f) -

Weitere Literatur:

  • Deutschländer, Gerrit: Dienen lernen, um zu herrschen. Höfische Erziehung im ausgehenden Mittelalter (1450–1550), Berlin 2012, S. 142 ff
  • Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Sonderheft 11: Briefe der Herzogin Sidonia von Sachsen (1449–1510) an ihren Sohn Georg (1471–1539), bearbeitet von Sven Rabeler, Alexandra Kursawe und Claudia Ulrich, Kiel 2009, online