Um den Keulenberg herum

Blick von der Baderbrücke auf die Hauptkirche
Blick von der Baderbrücke auf die Hauptkirche
Friedhof mit Mausoleum der Familie Naumann
Friedhof mit Mausoleum der Familie Naumann
Königsbrück, Rentamt und Schloss
Königsbrück, Rentamt und Schloss
Königsbrück, Markt mit Rathaus
Königsbrück, Markt mit Rathaus
Königsbrück, Ferkelmarkt
Königsbrück, Ferkelmarkt
Höckendorf, Kirche
Höckendorf, Kirche
Großnaundorf, Gehöft
Großnaundorf, Gehöft
Basics
Basics

Drei Grad plus - der Zug nach Königsbrück ist nicht geheizt. Lohnt nicht, für zwei Reisende. Die Stufen zur Stadt hinunter (sehr vorsichtig), über die Baderbrücke. Ein Treppchen führt hinunter zur Pulsnitz, so kann man die Schrift, in den Stein gemeißelt. gut lesen. Dohna! Der Name weckt Erinerungen, an den Gedenkstein für Jonas Daniel in Dresden, der die Dohna-Kinder nach Königsbrück in Sicherheit bringen wollte. Das Mädchen, Margarete von Dohna heiratete den Landvogt der Oberlausitz Hans von Polenz und brachte ihm vermutlich das Städtchen zu, er verkaufte es später wieder an die Familie seiner Frau. Wer Königsbrück besaß, hatte Anspruch auf ein Drittel des Zolls von der Dresdner Elbbrücke - daher vermutlich der Name!

Dann hinein in die Stadt, vorbei an blühenden Kastanien, goldfarben leuchtet der Turm der Hauptkirche. Links, im ehemaligen Rentamt, befand sich füher eine Kleinkinder-Bewahranstalt. Von hier aus führt eine Straße zum Schlosstor, das aber verschlossen ist. Also geradeaus durch das schöne Tor in den Kirchhof und um die Kirche herum. Dort steht das Mausoleum der Familie Naumann, der letzten Standesherrschaft von Königsbrück. An der Kirchenwand finden wir den Grabstein der Mitbegründerin des Dresdner Diakonissenhauses, Gräfin Louise Charlotte von Hohenthal.

Weiter geht es durch eine Straße mit kleinen, hübschen Häusern zum Markt mit Rathaus, Apotheke und Sparkasse. Man rüstet gerade für ein Fest, Tische werden herausgetragen und aufgestellt. Doch noch ist es zu früh - also zum Ferkelmarkt mit der Figur der Marktfrau, die ein Schweinchen auf dem Arm trägt. Hier steht ein uraltes niedriges Haus, das langsam verfällt.

Auf dem Schulplatz steht noch die Figur des Jungpioniers, der begeistert zu einem spitzen Giebel emporschaut. Dahinter die neue, moderne Schule, gerade gegenüber dem Hospitalfriedhof.

Die Außenmauern des einstigen Hospitals scheinen noch zu stehen und tragen in ihren Nischen alte Gedenktafeln. Die imposante Hospitalkirche ist verschlossen, dahinter aber, o Wunder, die vermutlich einzigen öffentlichen Toiletten der Stadt (Plumpsklos mit Herzchen in der Tür).

Draußen dann, gleich neben der Friedhofspforte, eine der beliebten Postmeilensäulen.

Die Kamenzer Straße führt nun ein wenig bergan, vorbei an einem alten Gasthof, der jetzt nur noch Getränke verkauft. Ein stück weiter biegt rechts die Straße nach Gräfenhain ab, der wir zur Pulsnitz hinunter und wieder hinauf in den Ort folgen.

Der ehemalige Gasthof steht noch immer zum Verkauf. Eine Tafel erzählt über die Geschichte: wie der Pfarrer den Besitzer traute und von einem betrunkenen Knecht nach Hause gefahren wurde, der den Wagen umwarf, wobei der Pfarrer ein Auge verlor.

Rechts geht die Straße nach Laußnitz den Hügel hinauf. NAch wenigen Dutzend Metern ein lustiger Wegweiser mit ausgestrecktem Zeigefinger: hie Laußnitz (Straße), da Höckendorf (wunderschöner Feldweg mit Bäumen und Büschen). Also Höckendorf.

Immer wieder neue idyllische Vordergründe für den mächtigen Keulenberg im Hintergrund. Ein Traktor kreuzt den Weg, tuckert weiter. Wir treffen auf eine Straße, der wir nach links folgen, zuerst Wald, dann weite Felder, schon liegt Höckendorf vor uns. Ein Gasthof, ein Gasthof! Weit gefehlt, will man sonntags hier essen, muss man sich eine Woche vorher anmelden.

Die Kirche mit dem spitzen Giebel steh offen, eine Mitarbeiterin der Gemeinde wartet noch auf jemanden. Sie zeigt mir das Innere der Kirche, die barocken Grabsteine und Malereien, Motive aus der Bibel. Den Deckel des Taufsteins mit den bunten Säulen kann man nach oben ziehen, im Inneren ist eine Taube verborgen.

Wir steigen hinauf zum Dachboden, dort gibt es auch allerlei zu sehen: eine unsichtbare Uhr, die zwar die Stunden schlägt, aber ohne Zifferblatt auskommt, und den Stein, mit dessen Hilfe der Taufbackendeckel angehoben werden kann. Der Blasebalg für die Orgel, Alte Porzellan-Epitaphe. Herrlich.

Hinter Höckendorf geht es wieder ein kleines Stück durch den Wald und dann - mit eindrucksvollem Keulenbergblick - durch die blühenden Rapsfelder. Der fette, schwere Geruch liegt in der Luft, die Lerchen singen trotzdem und sogar Blumen gibt es am Feldrand: Feldstiefmütterchen groß und klein, Kornblumen, Klatschmohn! Ein Kuckuck ruft.

Großnaundorf: keinerlei Gasthof,aber wieder eine prächtige Kirche, Barock, denkt man. Sie bildet ein harmonisches Ensemble mit altem Schulhaus, Pfarrhaus und Friedhofspforte, das auch auf dem Ortswappen zu sehen ist. Ich umkreise die Kirche (verschlossen), auf der Suche nach der besten Beleuchtung. Der Himmel hat sich inzwischen wieder bewölkt, doch aus dem hintersten Friedhofswinkel geht es einigermaßen.

Wunderschöne große Bauernhöfe, unverstümmelte Bäume, Buswartehäuschen zum Ausruhen. Jetzt führt die Straße steil bergauf und der Blick auf das weite Land tut sich auf. Mittelbach bietet wieder sehenswerte Gehöfte und eine Information, dass die Großnaundorfer nächste Woche mit dem Bus nach Lauchhammer fahren werden, um dem Guss ihrer neuen Glocke beizuwohnen.

Noch einmal Felder, Lerchen, Rundumsicht, dann in den Wald und schon sehen wir die Kirche von Pulsnitz im Tal liegen.

 

 

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