Durch das Khaatal - Kyjovské údolí

Eingang ins Khaatal
Eingang ins Khaatal
Überreste von Hinterdaubitz (Zadní Doubice)
Überreste von Hinterdaubitz (Zadní Doubice)
Gedenktafel für die Heimatforscher Franz und Eduard Bienert, ermordet 1990
Gedenktafel für die Heimatforscher Franz und Eduard Bienert, ermordet 1990
Schutthöhle Weinkeller
Schutthöhle Weinkeller
Haus in der Nähe der ehemaligen Dixmühle (Dixův mlýn)
Haus in der Nähe der ehemaligen Dixmühle (Dixův mlýn)
Uriges Gasthaus in Khaa (Kyjov)
Uriges Gasthaus in Khaa (Kyjov)

Seit ich vor einiger Zeit an der Oberen Schleuse die neue Karte von Rolf Böhm - 'Khaatal - Kyjovské údolí" erwarb, konnte ich es kaum erwarten, durch dieses Tal zu wandern. Von Hinterhermsdorf aus ging es die Neudorfer Straße hinunter ins Heidelbachtal, wo an einer Schutzhütte das Khaatal beginnt. Hier stand einst - auf der anderen Seite der Kirnitzsch - die Mittel- oder Böhmische Mühle, von der nur noch einige Grundmauerreste existieren.

Schon 1547 wird sie als Brettmühle erwähnt - die Sage aus dem 19. Jahrhundert erzählt von den beiden verfeindeten Töchtern des Müllers Puttrich, von denen eine die Nieder- die andere die Böhmische Mühle erbte, beide Mühlen brannten ab, in verdächtig kurzem Abstand - die Böhmische Mühle wurde als Gasthaus wieder aufgebaut. Der Wirt Anton Rothe war weit und breit berühmt. 1945 wurde die Mühle abgerissen.

Nur wenige Schritte weiter liegt schon die Grenzbrücke. Dahinter lag einst das Dorf Hinterdaubitz (Zadní Doubice), an das eine in tschechisch und deutsch verfasste Gedenktafel erinnert. Sieben Häuse haben hier gestanden, darunter das Wohnhaus des Hegers Alfred Pohl, der auch eine Gastwirtschaft betrieb. Übriggeblieben sind nur einige in den Felsen gebaute Keller.

Die Gedenktafel gemahnt aber auch daran, dass wenige Schritte von hier, im Finsteren Grund, eine weitere Tafel an die Ermordung von acht KZ-Häftlingen erinnert.

Vom Grenzübergang aus sind es noch 6 km bis Khaa. Der Weg ist ungewöhnlich breit - einst fuhr hier ein Autobus von Hinterhermsdorf aus durch das Tal. Es geht immer an der Kirnitzsch entlang. Drüben am anderen Ufer liegt ein stattliches Gehöft, "Im Loch" heisst der Wohnplatz.

Über eine Wiese, von hohen Fichten gesäumt, geht der Blick zum Orlí věž (Adlerturm) mit der Gedenktafel für Dr. Johann Hille (1852 – 1925), Obmann des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Die Tafel wurde nach dem Krieg vernichtet, im Jahr 2000 jedoch wieder erneuert. Europa, oft geschmäht, hier in diesem Tal ergibt es Sinn.

Etwa die Hälfte des Weges ist zurückgelegt, wenn wir an der Touristenbrücke ankommen. Wieder eine Schutzhütte mit Bank und einer Karte.

Allmählich wird der Weg ein bißchen langweilig... ich beneide die Radfahrer. Eigentlich müsste man die verlockenden Pfade und Stiegen erkunden, wie etwa den Aufstieg zur Schatzkammer, doch heute steht "Khaa - hin und zurück" auf dem Programm.

Kurz vor dem Ortseingang reihen sich die Sehenswürdigkeiten aneinander, alle hübsch beschrieben auf einer Tafel des "Köglerova naučná stezka", eines Naturlehrpfades, der von Rudolf Kögler aus Schönlinde (Krasna Lipa) angelegt wurde. Da ist die Schutthöhle "Weinkeller", zu der eine Treppe hinunterführt, und gleich gegenüber der Bienert-Gedenkstein.

Die Brüder Franz und Eduard Bienert waren Heimatforscher. 1945 sollte Eduard ausgebürgert werden, Franz durfte bleiben. Eduard entkam dem Transport und versteckte sich. Sein Bruder versorgte ihn mit Literatur und Karten, so dass Eduard jahrelang im Versteck weiterforschen konnte. Franz gestaltete aus den Ergebnissen Infomaterial für die Wanderwege im Khaatal. Später wurde Eduard von den tschechischen Behörden für seine Arbeit ausgezeichnet. Beide Brüder wurden 1990 ermordet. Sie sind in Schluckenau (Šluknov) begraben, von Deutschen und Tschechen betrauert.

Dort, wo der Wald aufhört, stand einst die Dixmühle, in der Pumphut, der bekannte Zauberer, als Mühlknappe arbeitete und versuchte, die fromme Tochter des Müllers zu behexen. Auch ihm hat man hier ein Denkmal gesetzt, und frech grinst er von der Infotafel.

Gleich dahinter ein uriges altes Umgebindehaus, ein Biergarten mit Sonnenschirmen! Die Speisekarte verteilt sich auf schwarzen Tafeln, mit Kreide in tschechisch und deutsch. Es gibt Kartoffelknödel, mit Kaßler gefüllt, wie meine Oma sie machte, dazu Sauerkraut. Was will man mehr.

 

 

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